Geistliche Kommunion ???

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de
Kann man den Gottesdienst nur im Fernsehen mitverfolgen oder im Internet und trotzdem die Kommunion empfangen?
„Geistliche Kommunion“ – so nennen dies Theologen. Aber was ist das?

Ein Beitrag von Pfarrer Lorenz Rösch

Geistige (oder geistliche) Kommunion – was heißt das?

Die heilige Eucharistie hat die Form eines Mahles mit den Elementen von Brot und Wein, sie ist somit darauf angelegt, dass die Einzelnen sie in der Kommunion leiblich empfangen und zu sich nehmen. Das leibliche Tun soll aber stets vorbereitet und getragen sein von einem geistigen Verlangen nach Christus, von einem innerlichen Sich-Verbinden mit ihm. Dabei machen wir uns bewusst: Wenn auch äußerlich wir es sind, die den Leib Christi zu uns nehmen, sollen wir im Geiste bereit sein, uns in ihn hineinnehmen zu lassen – in großen Christus-Leib, in die Liebe seines Herzens, in seine Bewegung der Hingabe, die Leben schenkt.

Unter Umständen feiern wir die Eucharistie mit, ohne die Kommunion empfangen zu können: Wenn wir nicht körperlich an dem Ort der Feier sein können, aber sie per Übertragung mitverfolgen; wenn jemand durch bestimmte Dienste innerhalb der Feier an der Kommunion gehindert ist; wenn bestimmte Umstände oder spontane Vorkommnisse am Empfang der Kommunion hindern oder davon abraten; wenn die äußerliche Lebenssituation nach kirchlichem Recht der Beteiligung an der sakramentalen Kommunion entgegensteht, auch wenn diese Situation vor Gott bereinigt ist. Es kann auch sein, dass jemand den Impuls spürt, sich mit denen solidarisch zu machen, die aus verschiedenen Gründen die Kommunion nicht real empfangen können; oder sich bewusst zu enthalten, um nicht in eine Gewöhnung an dieses unfassbare Geschenk zu verfallen. Immer dann bleibt die Einladung, dennoch auf geistige Weise die Kommunion (die Gemeinschaft mit Jesus und in Jesus) zu suchen und zu empfangen.

Im weiteren Sinn ist die geistige Kommunion sind nicht nur während einer Eucharistiefeier im Moment der Kommunion möglich; sie kann auch darüber hinaus – und in „Verlängerung“ davon – geübt werden: beim persönlichen Besuch einer Kirche mit Tabernakel, bei einer eucharistischen Anbetung oder auch sonst in Momenten des Gebets.

Immer bleibt es dabei wichtig, gedanklich die Verbindung herzustellen zwischen der Gegenwart Jesu im geweihten Brot, und der Gedächtnisfeier seines Sterbens und Auferstehens, aus der es hervorgeht und die das eigentliche Sakrament ist. Es ist dieses Geschehen der Hingabe, der Wandlung und des Übergangs vom Tod ins Leben, in das ER unser ganzes Leben und die ganze Welt hineinnehmen möchte.

Geistige Kommunion – wie geht das konkret?

Drei bzw. vier geistige Akte lassen die geistige Kommunion zustande kommen[1]:

  • ein Akt des Glaubens an die reale Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie;
  • sofern man im Gewissen weiß, dass eine konkret begangene Sünde die Gemeinschaft mit Christus verletzt hat: ein Akt der Reue (sonst fehlt es an der Liebe, die wesentlich ist für eine geeignete innere Verfassung);
  • ein ausdrückliches Verlangen nach der eucharistischen Kommunion;
  • und ein Dank für die Gabe, durch die Jesus sich geschenkt hat, ganz wie in der eucharistischen Kommunion.

Ausgewählte Gebetstexte für die geistige Kommunion

Ich sehe die Zeichen und ich weiß und glaube:
Du bist es, Jesus, der Herr, den der Vater gesandt und verherrlicht hat.
In der Kraft des Heiligen Geistes trittst du in unsere Welt
und alles, was du für uns getan hast, ist wieder Gegenwart.
Ich bete Dich an im Sakrament deiner Liebe, der unfassbaren Eucharistie…
Ich sehne mich danach, dich in der armen Wohnstatt meines Herzens zu empfangen.
Räume du alles aus, was der Gemeinschaft mit dir entgegensteht…
Während ich das Glück der sakramentalen Kommunion von neuem erwarte,
möchte ich dich auch jetzt im Geist besitzen.
Komm zu mir, o mein Jesus, da ich zu dir komme! …
Die Liebe umfange mein ganzes Sein im Leben und im Tod.
Ich glaube an dich, ich hoffe auf dich, ich liebe dich.
[2]

Nach dir verlange ich, Herr,
mit ganzem Herzen.
Ich weiß, dass dir mein armes Leben kostbar ist
und dass du mich gern hast.
Meine Seele sehnt sich nach dir jeden Tag.
Ich spüre die Gefühlsregungen, die mich am meisten ausmachen,
wertvolle und zum Teil auch schwierige;
ich bitte dich, sie zu hüten und zu reinigen.
Ich betrachte, Herr, deinen Leib und dein Blut,
gegenwärtig in den sakramentalen Zeichen von Brot und Wein;
ich kann sie jetzt nicht empfangen,
doch ich weiß, die Vereinigung mit dir ist auch für mich
und ich spüre das Verlangen danach in der Tiefe meines Seins.
Komm, o Herr,
nimm Platz in meinem Herzen,
erwecke in mir die Freude,
reinige meinen Glauben.
Gib mir Licht und Kraft, im Leben zu stehen, wie du es willst,
die Geschwister zu lieben, wie du es gezeigt hast
und mit ihnen deine Kirche zu bauen.
Ich verlange mit ganzem Herzen danach,
mit dir zu leben, dich zu loben und dir zu danken.
Du bist jetzt da, Herr;mit dir im Herzen finde ich Frieden
und meine so brüchige Existenz wird schön und verheißungsvoll.
Danke, Herr![3]

  • Eignen können sich auch – mit entsprechender Intention – Gebets- und Liedtexte wie:
    Seele Christi – GL 6,4; Sei gegrüßt, du edle Speis – GL 873; Sei gelobt, Herr Jesus Christ in dem wunderbaren Brote – GL 872; u.a.m.

[1] Nach: Kathpedia (italienische Ausgabe: Comunione spirituale)

[2] Das Gebet basiert auf einem Text von Kard. Merry del Val † 1930 (zitiert in Kathpedia: Geistige Kommunion)

[3] Das Gebet stammt von der Website der Erzdiözese Mailand (Übersetzung: L. Rösch)