Patrozinien in Nagold und Wildberg

Die „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus: Für die erste Gründung einer katholischen Pfarrei im Oberen Nagoldtal nach der Reformation sollten es offensichtlich prominente Patrone sein. Man hätte am Patronat der (wenige Jahrzehnte zuvor abgebrochenen) alten Stadtkirche anknüpfen können und die neue Kirche wieder „Unserer Lieben Frau“ weihen können. Doch vielleicht wollte man bewusst eine Entsprechung zur aktuellen evangelischen Stadtkirche, die auch den Namen „Johanneskirche“ trägt (hier ohne die Idee eines Patronats durch den entsprechenden Heiligen). Sofern Johannes der Apostel gemeint ist, kann man hinter der Entscheidung für „Peter und Paul“ schon Ansätze einer ökumenischen Vision erkennen.

Die eigentliche „Fürstin“ unter den Heiligen, die Gottesmutter Maria, ist dann 50 Jahre später mit der „Liebfrauenkirche“ in Wildberg – ein Stück nagoldabwärts – wieder zur Ehre eines Patronats gelangt. Als Patronatsfest war zunächst das damals Ende Mai gelegene Fest „Maria Königin“ vorgesehen. Nach der Verschiebung dieses Tages in den August wurde „Mariä Heimsuchung“ am 2. Juli zum Festtermin. Bei der Suche nach dem jeweils geeigneten Sonntag können die Patrozinien von Mutter- und Tochterkirche nun leicht auf den gleichen Tag fallen.

Beide Patrozinien ehren prominente Heilige, doch könnten diese kaum damit einverstanden sein, nur zum Prestigegewinn gefeiert oder als Schutzgaranten angerufen zu werden. Maria ebenso wie die Apostel werden im Neuen Testament durchaus menschlich gezeichnet: Menschen, die nach und nach buchstabieren lernten, was es heißt zu glauben, und die uns heute auf dem Weg des Glaubens begleiten können.