Erstmals ein „Sonntag des Wortes Gottes“

Papst Franziskus hat mit einem Schreiben vom September 2019 seinen bereits vor Jahren geäußerten Gedanken konkretisiert, einen Sonntag zu bestimmen, »der ganz und gar dem Wort Gottes gewidmet ist, um den unerschöpflichen Reichtum zu verstehen, der aus diesem ständigen Dialog Gottes mit seinem Volk hervorgeht«. Er will damit erklärtermaßen »auf die vielen Bitten antworten, die vom Volk Gottes an mich herangetragen wurden«.

Festgelegt wird hierfür der 3. Sonntag im Jahreskreis, was je nach Ende der Weihnachtszeit der letzte oder vorletzte Januarsonntag ist. In Deutschland wird der letzte Januarsonntag bereits vielerorts als ökumenischer Bibelsonntag begangen. Auch Franziskus stellt die ökumenische Bedeutung der Schrift heraus, unter Hinweis u.a. auf die in diese Zeit fallende weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Als sichtbare Geste im Gottesdienst dieses Sonntags regt der Papst eine „Inthronisierung“ der Heiligen Schrift an. Beauftragungen zum besonderen Dienst am Wort Gottes könnten in dieser Feier angesiedelt werden. Ansonsten heißt es: »Die Gemeinschaften werden einen Weg finden, diesen Sonntag feierlich zu begehen« – eine Aufforderung, wohl nicht mehr für dieses Jahr, aber für kommende Jahre.

Natürlich soll die Predigt eine entsprechende Ausrichtung erhalten, wobei es Franziskus immer wichtig ist, dass sie nicht wie eine Belehrung durch Experten daherkommt, sondern eher wie ein Animieren des Dialogs mit dem Herrn, in dem sich das Gottesvolk und seine Glieder bereits vorfinden. »Die Bibel kann nicht nur einigen wenigen gehören…  Sie gehört vor allem dem Volk, das versammelt ist, um sie zu hören und sich in diesem Wort selbst zu erkennen… Das Wort Gottes vereint die Gläubigen und macht sie zu einem Volk. Innerhalb dieser Einheit, die das Hören bewirkt, haben in erster Linie die Hirten die große Verantwortung, die Heilige Schrift zu erklären und jedem zu ermöglichen, sie zu verstehen.«

Franziskus wünscht sich für die Kirche, dass sie durch den Sonntag des Wortes Gottes noch stärker die Erfahrung der Emmausjünger machen kann – die dann ergänzt wird durch die Erfahrung der eucharistischen Mahlgemeinschaft: Jesus zeigt sich, indem er »auch uns den Schatz seines Wortes erschließt, damit wir in der Welt Verkünder dieses unerschöpflichen Reichtums sein können«.

Lorenz Rösch

Das gesamte päpstliche Schreiben finden Sie hier: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/motu_proprio/documents/papa-francesco-motu-proprio-20190930_aperuit-illis.html